Claudio und Beppo erkunden Europa

Ein Erfahrungsbericht

 
29Juni
2018

Aus gegebenem Anlass

Liebes Europa,

 

Lass es nicht zu, dass Menschen, die aus verschiedenen Gründen  fliehen müssen, interniert werden.

Ich habe auf meiner Reise ein freies Europa erlebt, und war überall gern gesehen. Menschen freuten sich über einen Austausch miteinander. Freundschaften konnten entstehen. Dass das nur an meinem schon bestehenden Wohnort in Europa liegt, ist für mich nicht erträglich.

Wenn die Menschen, die sich Vertreter*innen der Bewohner*innen dieses Kontinents nennen, meinen, diesen Kontinent abzuschotten, distanziere ich mich von diesem Europa der Politik. Wenn andere sich einen wollen, indem sie Andersdenkende oder -aufgewachsene ausgrenzen möchten, distanziere ich mich von diesem Europa. Wenn jene menschliche Solidarität infrage  stellen und an die Herkunft binden, distanziere ich mich von diesem Europa.

Das ist nicht das Europa als Idee der Freiheit und des Friedens, das sich lohnt zu erkunden und bedarf vielmehr Widerstand zu leisten.

Die Künstlerin Dota Kehr hat einen sehr guten Song zu diesem Thema geschaffen, der sich "Grenzen" nennt. In diesem Sinne fordere ich wie ich sie in diesem verstehe, dass aufgehört wird willkürliche Grenzen zwischen Ländern oder Kontinenten zu verteidigen. Ich fordere von meinen "Vertreter*innen" die Grenzen zwischen Menschen,die aus Respekt bestehen, als einzige Grenze zu verstehen und mit großem Aufwand zu verteidigen.

In der Hoffnung, dass dieses Europa des Friedens und der Freiheit werden kann, verbleiben Beppo und ich.

 

 

10April
2018

...will be continued

Ich werde fürs erste meine Berichterstattung an dieser Stelle beenden und mich dem Wind und seinen vielfältigen Eigenschaften aussetzen. Alles weitere dann im nächsten Jahr der Frei(z)heit.

Zu den letzten Wochen aber noch kurz:

Ich befand mich in Südfrankreich und surfte, was das Zeug hielt. Das Zeug flog dabei auch schon mal in einer Böe 50m Weit durch die Luft - Beppo hat jetzt ein Pflaster auf der Stirn - und eine Reunion mit tollen Menschen, die ich zu Beginn meiner Reise traf, machten diese meine Erfahrung komplett.

Als ein kleines Fazit möchte ich sagen:
Es war zwar nicht ganz Europa, aber der kleine Teil, den ich kennenlernen durfte, macht viel Lust auf mehr. Ich traf schöne Menschen, schöne Wälder und Berge, schöne Buchten,... und diese vielen wunderbaren Erfahrungen haben meine Reise bereichert, mich verändert - nicht nur den Teint - und die Erinnerungen werden immer mein Leben schmücken. Es bleibt natürlich noch Vieles offen, und ich freue mich schon auf das nächste Mal ;)

Danke

10März
2018

Birding en Delta del Ebro

Oder Vögeln für Fortgeschrittene.

Se genial ;)

Ich sitze hier in der Casa de Fusta. Neben mir eine angefangene Flasche Wein und ich schreibe meine letzten Zeilen in spanischen Gefilden. Ich bin langsam auf der Rückreise und werde morgen eine gedachte Linie auf der Landkarte überqueren, oder besser gesagt wir. Denn Beppo wird einen Bruchteil einer Sekunde schneller sein als ich. Ich bin nach der schönen Zeit in den Bergen rund um das Vall de Laguar auf die Idee gekommen, das Gegenteil zu suchen. Flach, ebenso Grün und Meeresluft soll um meine Nase wehen. Ich habe beim Suchen nach einem möglichen Halt lange gesucht und schließlich das Delta del Ebro gefunden.

Hier sind viele Reisfelder, die im Herbst auch zu Lagunen werden, gerade aber trockengefallen sind und die sich sonst mit ausgedehnten Naturparks zum Vogelschutz abwechseln. Gößere Seen merke ich sind es zum Teil doch, so habe ich mich bei ersten Erkundungen doch sehr in den Distanzen verschätzt und erst später bemerkt, dass ich auch noch gar nicht an der Stelle war, wo ich gedacht hatte zu sein. Nichtsdestotrotz, die entspannte Musik hier im Lokal lässt Erinnerungen an Spas in Deutschland wach werden, ist dies ein ungemein ruhiger Ort, der nur durch die vielen Caravans gestört wird. Wie die Zugvögel zieht es auch birdende und sonnensuchende Renterinnen und Rentner in dieses Eiland. Trotzdem schön ;) Vom Flamingo bis zum Adler finden sich verschiedene Vogelarten hier und man kann schon mal die Zeit vergessen.Manch einer schon seit Jahren.

Auf der Pirsch habe ich ein paar Schnapsschüsse gemacht. Viel Spaß beim reinlinsen und bis bald mal wieder.

Räudige Katze, aber trotzdem süß Flamingos :) Kormoran Frühling is coming

Für die Ornitologen unter Euch gibt es hier einen kleinen Wettbewerb. Wer die meisten Vögel als erstes identfiziert, bekommt eine Überraschung. Bitte Bild und Vogelart in die Kommentare schreiben.

03März
2018

Vall de Laguar

Hallo liebe Freunde,

Beppo setzt Netze an...es wird Zeit
die Zeit vergeht, vergeht und ich bin auf dem Weg,
nach Norden hat es mich gezogen,
ich habe lange abgewogen.
Doch jetzt langsam, ganz langsam,
fahrn wir doch zusamm´n.

Ein erster Zwischenstopp soll das Vall de Laguar sein. In Cartagena habe ich in den letzten Tagen noch ein Paar aus den Niederlanden getroffen, die gerade einen Geburtsvorbereitungskurs in Europa machen ;). Hier ist der Link zu ihrem Blog www.blablagotravel.com Auf ihre Empfehlung hin bin ich also zum Vall de Laguar in der Nähe von Alicante gefahren, und habe es nicht bereut. Ich treffe hier überall sehr nette Menschen. Es ist wunderbar ruhig, grün und prima auf moderaten Wanderwegen zu erwandern. Hier sind ein paar Bilder meiner Touren.

Campell von Westen  Gärten in CampellSanatorio - das letzte Europas für LeprakrankeTunnel vegetal Tunnel ;)Schlucht eines alten Flusslaufs Campell von Osten   Waschhäuser säumen den Weg Waschtrog Wandern auf dem Kamm Örtchen im Tal


Unter anderem habe ich auch noch Jesus besucht, der hier ein Projekt für Permakultur aufbaut. Er ist ein Bekannter von Rodolfo und hier ist ebenfalls ein Link zu seinem Projekt www.permaculturalaguar.org
Er hat mir angeboten mich mit Beppo auf sein Grundstück zu stellen, was ich dankend annehme und so entspannt diesen schönen Flecken Erde genießen kann.

Bis bald dann mal, von wo auch immer ich als nächstes schreiben werde.

25Februar
2018

Fiesta de despedida

Es ist soweit, ich nehme Abschied und dafür gibt es keinen besseren Platz als die Höhle direkt über dem Meer, die mir Rodolfo mal gezeigt hat. Zu neunt machen wir uns auf den Weg in der Höhle ein Barbecue zu nehmen und Cerveza zu trinken, Musik zu hören und die gemeinsame Zeit nochmal zu genießen.

Danke für all die schönen Momente mit Euch und auf ein Wiedersehen!

  AdiosBarbecue en la pierda TschüssCheeseHeimweg :(

Gracias para cada bonito momento con vosotros y hasta la vista.

Zum Abschluss natürlich gibt es noch einen Asiatico am Leuchtturm und dann drücken wir uns noch einmal herzlich und ich gehe...

24Februar
2018

Abheben in Alhama de Murcia

Burg von AlhamaPreparaciones mentales
Soll ich wirklich Ok, Augen zu und durch  Correr und abheben

  Like Birds Blick von oben

15Februar
2018

Rund um Cartagena: u.A. Termas del Saladillo

Freedom

Meine letzten Tage hier in Cartagena sind angebrochen und das heißt noch mal intensiv die Möglichkeiten, Sehenswürdigkeiten und Exkursionen mitnehmen. Unter anderem geht es zu einer Höhe, ideal fürs Barbecue, in der Nähe von Cartagena, zu den Termas de Saladillo in der Nähe von Mazzaron, Reparatur meines Boards,...

Ich habe hier ein paar Bilder, die viel über die Schönheit und Möglichkeiten aussagen können. Viel Spaß damit und hoffentlich bis bald. Die Temperaturen im Norden sind noch etwas zu kalt, um mich ernsthaft auf den Weg zu machen und daher werden sicher laufend ein paar Bilder hier dazu kommen.

Las Termas de Saladillo

Las Termas, Daumen hoch Ich war auch ganz drin ;P Dancing in the sunlight

La Cueva de Barbeque

Claudio am militärischen Leuchtturm o.s.ä. El Faro de la Puerta de Cartagen  Barbecue-Cave

Boardreparatur

TrockendockPrepairing of Epoxy Die eine Seite des Sturzes

Senda del Cabezo Gordo

In to the dark dark     Be water my friendEscalerPhysical Phenomen

Murcia - Granada pequena (15.02.)

Cathedral La Verdad Eine der Brücken in Murcia Quai am Fluss Generationen Breakfast Straßenszene en Murcia Schwimmbad o.ä.  Streetart Catwoman contracorriente Zu vermieten ... Streetart, who?

Best Pic ever

03Februar
2018

Granada... me gusta

Rodolfo und ich saßen im Peruanischen Restaurant von Cartagena und überlegten, wie wir die Reise nach Granada planen könnten. Eigentlich ging es aber nur darum zu gucken, wie wir hin kommen und auch wieder zurück. Wir haben uns letztendlich wegen des Wetters für eine Busfahrt und BlaBlaCar entschieden und vor Ort haben wir dem Vorschlag von Jakob vertraut, der uns ein Hostel mitten im Arabischen Viertel empfohlen hatte. Er hatte nicht zu viel versprochen. Sehr entspannt und mit lauter freundlichen Menschen durften wir hier Zeit verbringen, nur unsere Zimmermitbewohnerinnen waren nicht sonderlich gesprächig ;)

Also treffen wir uns am Busbahnhof um 15.30 Uhr, obwohl wir eigentlich gesagt hatten, dass wir gerne noch entspannt einen Kaffee vor Ort trinken möchten. Auch hier  muss ich wieder anerkennen, dass einfach unheimlich viel besprochen werden kann, am Ende bleiben aber dann doch nur 5 Minuten für den entspannten Kaffee.

Die anschließende Busfahrt geht durch die Ebene von Murcia, aber langsam nähern wir uns den Ausläufern der Sierra Nevada. Mit jedem Kilometer wird trotz goldener Sonne am Himmel die Luft spürbar kälter. Abends in Granada angekommen, vergrabe ich dann doch vermehrt meine Hände in den Jackentaschen während wir überlegen, wie wir zum Hostel kommen. Um unser Hostel herum blüht das Leben, arabische Läden mit exquisit touristischen Angeboten wechseln sich mit Imbissstuben und kleinen Bars ab. Der Duft von Wasserpfeifen zieht durch die schmalen Gassen und man bekommt ein Gefühl im Orient zu sein.

Viele junge Menschen treibt es hier auf die Straßen, in die Bars und Clubs. Es ist eine lebendige Stadt und auch der Geist ist ein offener, ein freierer denke ich. Ich genieße es hier zu sein und erfreue mich an den Dreadlocks, an der Perfektion inperfekter Kleidung, an natürlichen Menschen. Dazwischen huschen hippe Menschen durch die Mengen und halten hier und dort für eine Tapas und in mancher Bar bekommt man Tapas nur für zwei Personen. Auf den Straßen wird man aufgefordert doch in diese oder jene Bar/ Club zu kommen. In Deutschland bin ich das nicht gewohnt, und erstmal stößt es mich ab. Aber wenn man sich darauf einlässt, ist das gar nicht so übel, da man so die eine oder andere Bar zu Gesicht bekommt, die man ohnedies übersehen hätte.

Nach unserer ersten Nacht, die ich durch den ein oder anderen atmungsaktiven Laut verbringen durfte, nehmen wir ein ordentliches Frühstück zu uns. Ich genieße es. Danach machen wir eine geführte Tour durch die naheliegende Sierra Nevada. Ein wunderschöne Natur eröffnet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Granada. Schluchten mit vielen Kletterern, Hängen mit Geröll und eine immer wieder amüsante Hindernisbewältigung Silvestres begleitet uns. Die Sonne steht hoch am Himmel und mit ein wenig Farbe im Gesicht, tollen Eindrücken und Lust auf einen Paellaabend im Hostel und anschließendem Ausgehen kommen wir abends ins Hostel.

Gruppenfindung Häuser von Monachil Hangon Tunel Silvestre no esta silvestre ;) Gruppenkuscheln... Gesundheit Ei, ei, ei, was seh ich da ;P Eis am Horizont Trunk Way down  Müde, aber glcklich

Die Paella ist sehr ausgiebig, so dass ich anschließend im „Fresskoma“ noch in interessanten Gesprächen mit anderen Reisenden ein wenig meine spanische Ausflugsgruppe vergessen habe. Wenig später merke ich, dass gerade ein wenig die Stimmung gesunken ist, aber nachdem wir ein paar Gespräche geführt haben ist auch schon bald wieder alles, wie zuvor und auch der Mangel an Alkoholika im der Hostelbar lässt unsere Stimmung kaum trüben. Einen GinTonic hätte ich aber doch gerne getrunken… ;) Nichtsdestotrotz erfahren wir von einer Headhunterin, wohin es uns als nächstes führen könnte. Rodolfo hat an der Bar schon eine junge Frau kennen gelernt. Vielleicht ist sie alsdann ja auch dorthin gegangen.  Also machen wir uns auf. Sie ist dann zwar nicht dort anzutreffen, dafür aber ein GinTonic mit diversen Gin-Sorten zur Auswahl. Nur den Kicker haben wir etwas zu spät (nicht) besetzt…

Die kommende Nacht verlebe ich dann doch ungestörter und schon ist es an der Zeit aufzubrechen, um die Alhambra zu besichtigen. Sie ist schön anzusehen, auch wenn wir beschließen die Alhambra von außen zu bewundern. Von dem gegenüberliegenden Hügel haben wir auch einen viel besseren Überblick und die Beine sind am Ende auch müde…

Rodo on the wallJunge Katze der AlhambraInglesa de la Alhambra Wasserfälle derAlhambraZum Trocknen aufgehangenGeschwindigkeitsrausch Szene in GranadaWie geht es weiter?Relief an Hauswand Streetart de Granada Generalife und Reflexion Alhambra in total

Ich werde auf jeden Fall mal wieder nach Granada kommen, eine wunderbare Stadt mit vielen Möglichkeiten individuelle Entdeckungen zu machen. Ich freu mich schon darauf. Jetzt heißt es aber erstmal Abschied zu nehmen von Cartagena und den vielen Menschen, die mir hier begegnet sind und vielleicht noch die ein oder andere Exkursion ins Umland zu starten.

Erwischt...

14Januar
2018

Die "spanische" Grippe

Eine Woche ist es her, dass ich mich aufgemacht habe, wieder zurück in die Ebenen, wo Honig und Likör43 fließen. Berlin war die perfekte Welle im Jenseits von hier.

Castillo de Santa Barbara en AlicanteAm Airport von Alicante/ Elche angekommen geht es mit den Öffis auch schon direkt nach Alicante. Der Flughafen liegt zwar etwas außerhalb ist, aber sehr gut von der City aus zu erreichen. Zu Alicante kann ich in der Kürze nur sagen. Eine spanische Stadt des Südens ist es schon..., vielmehr als aber die große Bastille de Santa Barbara habe ich mir dann auch nicht angeguckt. Vieles erinnert doch an Cartagena und nur der große Sandstrand in Stadtnähe lässt eine stärkere Prägung durch den Tourismus erahnen. Im Sommer...nicht auszudenken. Die Bastille ist aber doch sehr sehenswert, so wurde sie in den letzten ca 1500Jahren regelmäßig umgebaut, erweitert oder angebaut. Ich teile mir die Aussicht mit ca einem Dutzend anderer Menschen, die auch am Montag frei haben. Nach der letzten Nacht mit wenig Schlaf im Hostel. Infektiöse Menschen, schnarchende Holzfäller ließen mir bei weitem keine wirkliche Ruhe.

Auf der Heimfahrt nach Cartagena am Nachmittag, merke ich dann schon bald, dass dieser Zwischenstopp wohl mas o menos gut für meine Gesundheit war. Dehydriert und schon leicht fiebrig komme ich in Cartagena an.. und erstmal fahren keine Busse nach Sta Ana. Perfekter Start. Als ich dann schließlich doch noch einen Bus erwische und am Platz ankomme sehe ich, dass das Geschäft mit Nordeuropäern momentan boomt. Es gibt kaum noch einen freien Platz, außer meinem ;). Aber irgendwie ist mir das doch ein bisschen zu viel. In den nächsten Tagen, die ich im Fieberwahn verbringe, erwächst eine gewisse Abneigung gegen dieses Dasein. Ich will wieder unter Leute, und diese Langsamkeit, die Blicke auf mein ungespültes Geschirr, die ich durch mein Busfenster beobachte, machen mich immer aggressiver.

You don´t need to care ;)

Gott sei dank, ist dann aber mit abklingendem Fieber langsam alles wieder mehr und mehr im Rahmen. Nur die Enge hier und dass ständig ein Moped über meine Terasse fährt ;), sind nicht unbedingt förderlich gegen meinen erwachsenden Wunsch weiter zu ziehen. Mal sehen, ob es wirklich Ende Februar werden wird...

Hier sind noch ein paar Fotos eines Ausflugs nach Calle Blanque. Schön ist es dort, aber langsam habe ich mich an der Landschaft hier satt gesehen. Wenn es im Norden wärmer wird, ziehe ich weiter. Wieder nach Leucate, ich habe wieder richtig Bock hart zu surfen...

  Christina takes fotos Mal wieder ein sommerliches Winterbild Blaues MeerLost in Mar MediterraneoIt´s me

 

05Januar
2018

Berlin einmal anders oder: Die perfekte Welle

  Ein Diner im Jenseits  

Es sind die Tage, bevor Claudio und ich in die Wimmelstadt Berlin fahren, die das Programm  für den Hauptstadtbesuch vorgeben. Die Taizé-Erfahrung war intensiv - für einen Angestellten der Kirche, inmitten des Sturmauges der Euphorie während des ganzen intenationalen Treffens schön, aber auch kräftezehrend.
Ausschlafen und ruhiges Programm waren angesagt. Entschleunigung. Spuren der Entschleunigung sind es daher auch, die ich am Ende unserer Berlin-Tour im Fach meiner Handyhülle finde: In knapp 6 Tagen nur 2 Tagestickets der BVG... Rekord. Das Wetter hat uns dabei geholfen und war unser "Erlauber", auch einfach mal zu daddeln (Fifa auf der PlayStation) und die Sport-/Wellnesseinrichtungen im UG des Hotels zu nutzen. Nutzlos und unproduktiv sein, nichts zu müssen und von dem, was man alles könnte, sich nicht verrückt machen zu lassen. Solch ein Urlaub lässt Dinge verdauen und setzt Gedanken frei, die sich sonst keine Bahn brechen können. So anders habe ich Berlinzeit noch nicht erlebt.

Berlin jenseits der Jagd nach mehr.

Orange, die Farbe dieses WintersEin mysteriöser Koffer...Max Gorki ...

Natürlich waren wir zwei Mal im Theater (Berliner Ensemble und Max Gorki, einmal faszinierend und existenziell, einmal zu offensichtlich und zu wenig packend), in einem schönen Orgelkonzert in der Gedächtniskirche, im Kino, haben lecker gespeist und gebruncht, waren fasziniert von Borritos und dem Markt am Maybachufer... aber darum ging es diesmal nicht im Kern. Berlin war kein Jagdrevier, sondern eine Welle, die wir einfach mal genommen haben. Die Abzweigung in den Apple-Tempel zwischendurch war ebenso kontraintuitiv für uns beide wie überraschend. Wie viel Spass wir dort beim Herumspielen und Fantasieren darüber hatten, was man aus so einem Raum alles machen könnte und wie die Wohnformen der Zukunft aussehen könnten. Dass ein Tempel auch für "Ungläubige" und Zweifler inspirierend wirken kann, war für uns beide natürlich nicht neu. Eines der heiligen Geräte mit der angebissenen Frucht war es dann auch, das uns direkt mit den Theatern der Stadt in Verbindung setzte und zur spontanen Buchung zweier Theaterbesuche führte. "Bitte führe uns doch bald mal wieder in Versuch, Apfel!" 

Fotosession - mit Verzögerung

Zum Gefühl der "Welle" passend war es auch, dass uns das angepeilte Brunch-Café am Samstag wider Erwarten ("weil es seit kurzem Samstags kein Brunch mehr gibt") an einen ganz anderen Ort spühlte, an dem wir sehr zufrieden brunchen und noch intensiver quatschen konnten. Sprache war insgesamt viel mehr die Erlebniswelt und das Gut dieser Reise. Sowohl ihre Abwesenheit - wir haben stundenlang gesessen, gegessen, flaniert, geddadelt, gepennt und gewellnesst ohne viele Wort zu verlieren - als auch ihre Anwesenheit und Tiefe. Zu den Themen nur so viel: Wir sind beide in Lebenssituationen, die genug Potenzial für die grossen und kleinen Fragen des Woher, Wie, Warum und Wohin bieten. Für vieles brauchte es nicht viele Worte. Bei manchem aber bin ich für jedes der vielen Worte dankbar, die uns gegenseitig ein liebevoller Spiegel waren, eine Spurensuche ermöglichten oder eine Philosophiergemeinschaft auf Zeit herstellten.

Passend dazu das Zitat aus der wunderbaren Kreuzberger Bar "Jenseits":"Natürlich gibt es eine jenseitige Welt. Die Frage ist nur: Wie weit ist sie von der Innenstadt entfernt und wie lang hat sie offen?" (Woody Allen)


Und an jedem Abend dieses täglichen impliziten und expliziten Lebensphilosophierens erkannten wir immer deutlicher und ganz greifbar:  Die Wahrheit versteckt sich in einem undurchsichtigen, durch das Eis der Eiwürfelmaschine vom Hotelflur beschlagenen Glas Likör 43 mit Milch und will inkarniert werden.

Vielen Dank für diesen Gastbeitrag von Tobias.

Mega: Deutsche Tapas :)

Jetzt aber zurück ins Land der richtigen Tapas und dahin woher der Likör 43 kommt ;),mit kleinem Zwischenstopp in Alicante, wovon ich noch einige Zeit zähren "durfte".

Auf dieser Seite werden lediglich die 10 neuesten Blogeinträge angezeigt. Ältere Einträge können über das Archiv auf der rechten Seite dieses Blogs aufgerufen werden.